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  • Die Bekassine ein Vogel braucht Hilfe

    Die Bekassine ist der Vogel des Jahres 2013.

    Eine Betrachtung vom NABU Mitglied Rainer Rudolph
     
    Wer vergibt den Titel Vogel des Jahres?
    NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) und LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.) bestimmten die Bekassine zum Vogel des Jahres. Sie übernimmt den Titel von der Dohle, dem geselligen Rabenvogel mit Köpfchen. 1971 bekam der Wanderfalke erstmalig diesen Titel.

    Unter „www.vogel-des-Jahres“ listet der NABU alle Vögel mit dem Titel „Vogel des Jahres“ auf.

    Warum wurde die Bekassine Vogel des Jahres 2013?

    Der Anlass ist traurig. NABU und LBV ernannten die Bekassine zur Botschafterin für den Erhalt von Mooren und Feuchträumen. Die natürlichen Lebensräume der Bekassine werden seit Jahren immer weiter reduziert. Grünland muss dem Maisanbau weichen, immer mehr Flächen werden entwässert, der Grundwasserspiegel wird gesenkt, Torf abgebaut und Wiesen werden aufgeforstet.

    Wie erkennt man eine Bekassine?

    Auffallend ist natürlich ihr unverhältnis langer gerader Schnabel; er ist sieben Zentimeter lang. Sie ist drosselgroß; von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende misst sie zwischen 23 und 28 Zentimeter. Die Flügellänge beträgt 12 bis 14 Zentimeter.

    Ihr Scheitel ist gestreift. Der Rücken ist rot-braun mit weißen Flügelbinden und läuft in einer rostbraunen Schwanzbinde aus. Der Bauch ist ausgedehnt weiß. Die kurzen und kräftigen Beine sind gelblich grün bis graugrün. Sie hat einen kugelrunden Bauch.

    Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Jungvögel unterscheiden sich kaum von Altvögeln.

    Sie haben ungefähr das Gewicht einer Tafel Schokolade: 120g. Bis zu 12 Jahre alt können sie werden.

    Kann man die Bekassine hören?

    Wohl kaum in der Natur unserer Gegend. Doch im Wikipediaartikel „Bekassine“ sind Links zu Hörbeispielen eingesetzt. Beeindruckend ist das Hörbeispiel zum „Wummern“ oder „Meckern“.

    Wie strukturiert die Bekassine ihren Tag?

    Die Bekassine ist tag- und nachtaktiv. Sie nutzt gerne die Morgen- und Abenddämmerung. Damit reduziert sie auch die Begegnungen mit Fressfeinden.

    Wo hält sich die Bekassine auf?

    Sie mag Gewässerränder, überflutete Wiesen und Torfstiche, Marschlandschaften und Sümpfe. Sie braucht weiche Böden. Dort stochert sie mit ihrem langen Schnabel im Untergrund und watet dabei langsam voran.

    Für ihre Brutreviere sucht sie feuchtes Grünland mit Gräsern, Seggen und Binsen. Extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen und Marschen, Moore, Nassbrachen oder an der Küste Salzwiesen und Köge erscheinen ihr geeignet.

    Wo überwintert die Bekassine?

    Die Bekassine ist Kurz- und Langstreckenzieher; im Westen ist sie Standvogel. Auch in Bereichen Deutschlands, z. B. am Bodensee, überwintert die Bekassine.

    Sie sucht sich Überwinterungsquartiere im Nordwesten, Westen und Süden Europas, im Mittelmeergebiet, Vorder- und Südasien, in den nördlichen tropischen Regionen Westafrikas und in Ostafrika bis zum Äquator.

    Aus Funden beringter Bekassinen ließ sich der Flugweg von Deutschland bis zum Senegal nachverfolgen.

    Wo sind Bekassinen beheimatet?

    Wolfgang Rieser, unser Vogelexperte, kann sich noch erinnern, wie in der 60er Jahren die Bekassine in unserer Region heimisch war. Heute kann sich keine Bekassine in unserer Region halten.

    Früher war der Schnepfenvogel über ganz Mitteleuropa vom Tiefland bis in mittlere Höhen in großer Zahl vertreten. Seit einigen Jahrzehnten schmelzen die Bestände dramatisch zusammen. Heute beleben sie die niederländisch-norddeutsch-polnische Tiefebene und in deren Randbereichen.

    In Deutschland lebt sie in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Während des Vogelflugs machen die Bekassinen Rast in ganz Deutschland auf Schlammflächen, an Gewässerrändern oder Gräben.

    In Deutschland leben heute 5.500 bis 6.700 Brutpaare. Ihre Zahl hat sich seit 1990 halbiert.

    Wovon ernährt sich die Bekassine?

    Mit ihrem langen Schnabel stochert sie gerne im Schlamm nach Kleintieren. Sie mag neben Würmern, Schnecken und Insekten auch Samen und Beeren von Binsen und Seggen. In ihrem Muskelmagen helfen kleine Magensteine beim Zerkleinern fester Nahrung.

    Der obere Teil des Schnabels ist biegsam. Deshalb kann sie die Beute besser halten. Als Detektor dient ein besonderes Sinnesorgan an der Spitze des Schnabels.

    Welche Feinde hat die Bekassine?

    Während der Brutzeit versuchen Wiesel, Steinmarder, Fuchs, Möwen und Rabenvögel das Nest zu plündern. Bei ihrem Vogelzug machen Sperber, Habicht und Wanderfalken Jagd auf sie.

    Hauptfeind ist der Mensch. Er schränkt nicht nur den Lebensraum der Bekassine ein; er macht auch Jagd auf sie. Grund dafür ist ihr guter Geschmack. Dies bezieht sich nicht auf ihren Wunschpartner. Sie gilt bei Kennern als Delikatesse. In seinem Roman „Irrungen, Wirrungen“ lässt Theodor Fontane die Bekassine als Luxusspeise preisen: „Enten, Schnepfen, Bekassine. Es kommt einen eine Lust, dass man’s auch so gut haben möchte.“ Jährlich müssen deshalb 500.000 Bekassinen in vielen europäischen Ländern ihr Leben lassen. Sie werden geschossen und mit Netzen gefangen.

    Wie sieht ihr Jahresrhythmus aus?

    Im Frühjahr sucht die Bekassine Lebensbereiche für die Brutzeit. Ab März beziehen sie ihre Brutplätze.

    Bis Ende Juli haben viele Bekassinen die Brutreviere wieder verlassen.

    Im Spätsommer und Herbst rasten sie auf ihrem Flug in das Überwinterungsgebiet gerne auf offenen Schlickflächen, auf Rieselfeldern und an Klärteichen, an flachen Ufern und Gräben.

    Was weiß man über das Brutverhalten?

    Im ersten Lebensjahr ist die Bekassine geschlechtsreif. Ab Mitte Februar kann man schon vereinzelte balzende Bekassinen beobachten. Das Männchen sucht das Revier aus, das Weibchen den Nistplatz. Die meisten Gelege werden jedoch Ende April und Mai gelegt. Im Abstand von einem Tag werden gewöhnlich vier Eier gelegt. Die rötlich braun, grünlich bis schwärzlich gesprenkelten Eier haben eine graue Grundfarbe und sind spitzoval. Die weiblichen Vögel brüten 18 bis 20 Tage. Die Männchen halten sich in der Nähe auf. Bei Gefahr lenkt das Männchen die Aufmerksamkeit auf sich und versucht, den Feind weg zu locken. Die Bekassine kann auch bei besonderer Gefahr Jungtiere fliegend wegtransportieren, indem sie das Jungtier zwischen Schnabel und Körper einklemmt.

    Die Jungvögel verlassen zwar bereits nach einem Tag das Nest, müssen aber noch von den Eltern ernährt werden. Nach vier bis fünf Wochen können sie richtig fliegen.

    Wie kommt die Bekassine zu ihren unterschiedlichen Namen?

    Den klangvollen Namen „Bekassine“ verdankt sie ihrem langen Schnabel: bec (franz.) = »Schnabel« und ihrer Herkunft bécasse (franz.) = Schnepfe.

    Die Bezeichnung „Moorvogel“ hängt mit ihrer Vorliebe für Moore zusammen.

    Den Namen „Meckervogel“ trägt sie jedoch nicht wegen ihrer Klagen über das Verschwinden ihres Lebensraumes. Beim Balzflug lässt sich das Männchen aus großer Höhe wie ein Stein fallen. Federn des äußeren Schwanzflügels geraten dabei in Schwingungen. Die dabei erzeugten Töne ähneln dem Meckern einer Ziege. Daher ihr Name „Himmelsziege“.

    Ihr wissenschaftlicher Name klingt da schon vornehmer: Gallinago gallinago.

    Kann ich der Bekassine helfen?

    Es gibt kleine und große Hilfen. Es beginnt damit, möglichst auf Torf zu verzichten und torffreie Blumenerde zu kaufen. Vorsicht: torfarme Blumenerde enthält Torf. Achten Sie bitte auf torffreie Erde. 95% der heimischen Moore sind zerstört. Moore kann man kaum wiederherstellen. Sie wachsen extrem langsam, ca. 1mm pro Jahr. Ein Meter Torf entstand also in etwa 1.000 Jahren. Deshalb ist es wichtig, den Torfabbau einzustellen. Dagegen kann man Feuchtgebiete in einem absehbaren Zeitraum renaturieren.

    NABU und LBV und andre Naturschutzorganisationen kaufen seit Jahren Flächen auf und bauen Schutzräume für Tiere und Pflanzen auf.

     

     

    Selbst in unserer kleinstrukturierten Gegend werden die Bauern zur industriellen Landwirtschaft gedrängt. Nützlichkeit diktiert das Handeln. In den vergangenen Jahren wurden viele Moore entwässert und Nasswiesen in ertragreiche Wiesen umgewandelt. Die Natur wird ausgebeutet, die Ökosysteme gelangen an der Rand ihrer Belastbarkeit. Die Artenvielfalt schnurrt auf wenige Tiere und Pflanzen zusammen.

     

     

    Quellen Der Text entstammt zu großen Teilen dem NABU/LBV Heft: Die Bekassine — „Vogel des Jahres 2013“ und Wikipedia „Bekassine“

     


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